21.09.05

Die Kirche im Gotteslager

1) Eine so schöne Ostfassade des Kaisertores wie in diesem Entwurf von Hans Vredemann de Vries aus dem Jahre 1589 hat es wohl niemals gegeben.

Im Rahmen der planmäßigen Erweiterung der Heinrichstadt in Richtung Osten durch Herzog Julius wurde im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts das sogenannte Gotteslager errichtet. Während der Stadtkern in dieser Zeit befestigt wurde, blieb das Gotteslager vor dem Kaisertor, das 1570 bis 1578 von Cort Mente erbaut wurde, relativ ungeschützt. Es entstanden auch andere Tore: das Mühlentor, das Dammtor, das Löwentor und das Liebfrauentor, aber das Kaisertor hatte bis etwa 1600 eine Vorrangstellung. Mit seinen Maßen von 34x26 Metern war es ein gewaltiger Bau.

Das Kaisertor hatte zwei Stockwerke. Während im Untergeschoss die Wachmannschaften Unterkunft fanden, wurde im Obergeschoss das geistliche Hofgericht gehalten.

Nach dem dreißigjährigen Krieg verlor das Tor seine Bedeutung, und die neuen Tore im Süden (Harztor) und nach Norden (Herzogtor) machten es bald nutzlos. Vor dem Tor war das sogenannte "Gotteslager" (heute "Juliusstadt) entstanden, das eigentlich als groß angelegte Stadtanlage von Herzog Julius geplant war. Aber der dreißigjährige Krieg führte zur Zerstörung der meisten Bauten - am Ende waren nur 12 Häuser übrig. Die Gemeinde, die sich dort versammelte, brauchte allerdings ein eigenes Gotteshaus, das gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in der Gegend des Cornelius- oder Garnisonsberges gebaut wurde. Die Kirche entstand als Fachwerkbau mit einem Dachreiter, der die einzige Glocke trug. In weitem Umkreis war es der erste protestantische Kirchenbau und darum von besonderer Bedeutung.

Doch auch die Kirche wurde abgerissen, als das Gotteslager den Kanonen Platz machen musste. Ihr Material wurde aufgehoben und für den Bau der St. Johanniskirche in der Auguststadt, im Westen Wolfenbüttels, zur Verfügung gestellt.