St. Trinitatis II

Der Grundriss von St. Trinitatis II

Das größte Problem stellte wieder einmal der Geldmangel dar. Nicht nur, dass die Gemeinde kaum die Mittel für einen Neubau hätte aufbringen können: die Liebäugelei des Herzogs Anton Ulrich mit der römischen Kirche führte schließlich dazu, dass er selbst übertrat und somit keine Unterstützung für die lutherischen Gemeinden mehr zu erwarten war. Einen Prunkbau errichtete sich der Herzog mit der Wolfenbütteler Bibliothek und ließ den notwendigen Bau der Trinitatiskirche hintan stehen.

Sein Sohn und Nachfolger August Wilhelm nahm 1716 den Plan des Wiederaufbaus auf und beauftragte Hermann Korb mit der Durchführung. Vorhandene Bauteile wurden wieder benutzt, um den Bau so kostengünstig wie möglich zu halten. Die steinernen Türme standen und bildeten den Rahmen des neuen Entwurfs. Ebenso standen drei Seiten der Umfassungsmauern des Tores, aber die Gewölbe des Tores im Erdgeschoss waren durch den Brand zerstört und beseitigt worden.

Nur der Außenbau wurde aus Stein gefertigt, innen kam Holz zur Anwendung. So waren wenigstens die Mauern vor Brand geschützt, aber im Grunde wurde mit geringen Mitteln großer Glanz vorgetäuscht.

7326 Taler standen Hermann Korb zur Verfügung, und er hat eine großartige Kirche daraus geschaffen. Zwei Emporenreihen schaffen genug Platz selbst für weit über 1000 Gottesdienstbesucher. Zehn massige Säulen, jeweils aus vier Tannenstämmen zusammengefügt und verschalt, stützen das Gewölbe, das aus Latten und Gips gefertigt ist.

Der neue Bau wurde am 1. Sonntag im Advent 1719 eingeweiht, obwohl er noch nicht ganz fertig war. Erst 1757 erhielten die Türme den letzten Schliff, und auch die Umrahmung der Kanzel von Johann Jürgen Reupke fand erst später die Gestalt, die sie heute hat.

Das Innere der Kirche war buntbemalt, worin sich die Sinnenfreudigkeit des Barock Ausdruck verschaffte. Diese Bemalung findet sich heute nicht mehr; nur der Eindruck von erhabener Größe, der den Besucher beim Betreten der Kirche überkommt, ist aus den ersten Jahren erhalten geblieben.

St. Trinitatis um 1950
Blick auf Kanzel und Altar mit Taufbecken (Foto: Dr. Christoph Schaper)