Aus der Geschichte
Wann die erste Kirche gebaut wurde, wie sie ausgesehen hat, all das wissen wir nicht. Fest steht nur, dass im Jahre 1051, dem Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung Groß Stöckheims bereits eine Kirche stand. Vor allem die verkehrsgünstige Lage - am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Handels- und Heerstraßen und an der Okerfurth - lässt die Anfänge unseres Ortes und unserer Kirche vor der Jahrtausendwende als wahrscheinlich erscheinen. Die Groß Stöckheimer Kirche war eine Taufkirche (Archidiakonatskirche). Die Nische rechts in der Altarwand zeugt noch von dieser Zeit. Sie diente zur Aufbewahrung des Taufbeckens. Sogar die alte Kette ist noch erhalten.Damals durfte nicht in jeder Kirche getauft werden, sondern nur in bestimmten, dafür vorgesehenen (sog. Archidiakonatskirchen). Unsere Kirche war eine solche Archidiakonatskirche und zwar ab 1148, sicher bezeugt ab 1236. Sie gehörte zum Bistum Hildesheim. 1377 z.B. war Egbert von Eldingen Domherr von Hildesheim und Archidiakon von Groß Stöckheim zugleich. 1392 entzog der Papst dem Archidiakonat Groß Stöckheim den westlich der Oker liegenden Teil Braunschweigs mit den Pfarrkirchen Martini, Andreas, Petri, Ulrici und Michaelis. Noch um 1500 konnten die Kinder eines sich weit erstreckenden Gebietes (Adersheim, Beddingen, Bleckenstedt, Broitzem, Dorstadt, Fümmelse, Geitelde, Halchter, Immendorf, Nortenhof, Ohrum, Rüningen, Sauingen, Thiede, Ufingen) nur in Groß Stöckheim getauft werden. Um 1550/60 wurde die Reformation eingeführt.
Die Groß Stöckheimer Kirche als Gerichtsstätte
Vom 12.Jahrhundert an, wahrscheinlich bis zum Ende des 30- jährigen Krie- ges besaß unsere Kirche große Bedeutung als Gerichtsstätte. Zweimal im Jahr wurde vor dem Altar das sogenannte (Unser Altar ist übrigens sehr alt, aus dem 13.Jahrhundert, besteht aus vier hochkant gestellten quaderartigen Steinen und schlichter Steinfüllung. Die vier senkrechten Kanten sind mit Pilgermuscheln verziert.) Das Sendgericht wurde vom Amtmann als herzoglichen Vertreter und dem Pastor durchgeführt. Gegenstand der Verhandlungen waren "von altershero die Hurenbrüche, auch was in den Kirchen ...den zum Dorfe gehörigen Höfen und Ländereien an Strafbarem vorgefallen." Die Sendstrafe bestand in einer Buße, später in Strafgeldern. Wer nicht zahlen konnte oder wollte, wurde gepfändet. Dabei ging es zuweilen auch recht handgreiflich zu. In den Gerichtsamtbüchern heißt es einmal: "Der Knecht Lüddecke hat sich nicht Pfänden lassen wollen, und hat sich mit einer Mistharke zur Wehr gesetzt und dabei einen verletzet." Zuständig war das Groß Stöckheimer Sendgericht ebenso für das gesamte Gebiet wie oben beschrieben und erfreute sich, wie man sich denken kann, keiner großen Beliebtheit. Sooft Gericht gehalten wurde, mussten die Bauern "Sendkorn" zur Bezahlung des Gerichtes liefern, und der Pastor stöhnte unter den enormen Ausgaben, die ihm durch die Bewirtung nach getaner Arbeit entstanden.
Die Groß Stöckheimer Kirche als Glaubens- und Lebenszeichen
Wie oft unsere Kirche durch Kriegseinwirkung zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt sich gar nicht mehr ganz genau feststellen. Aber jedes Mal ist sie unter großen Mühen wieder aufgebaut worden. Dass der Altar und die Rückwand mit den wertvollen Apostelbildern alle Verwüstungen überdauert haben, ist wie ein Wunder. Es ist, als wären sie immer wie das Samenkorn für eine neue Kirche gewesen.
Dem Ort ist mehrmals zum Verhängnis geworden, dass er vor den Toren Wolfenbüttels lag und so zwischen die Fronten geriet. So im Schmalkaldischen Krieg. Eine Kirchenvisitation berichtet 1544, dass die Kirche wüst sei. Aus diesem Grunde wurde die Pfarrstelle kurzzeitig mit Wolfenbüttel und später mit Thiede verbunden. Aber die Groß Stöckheimer stellten in der Ruine einen Opferkasten auf und schon 1550 war wider eine Kirche errichtet und ein Pfarrer am Ort.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt der Ort und die Kirche das gleiche Schicksal. Damals wurde der sog. "Schwedendamm" zur Belagerung Wolfenbüttels errichtet. Bei den heftigen Kanonaden
zwischen beiden Seiten lag Groß Stöckheim im Schussfeld und wurde vollständig eingeäschert. 1641 standen nur noch ein paar Mauern der Kirche, innerhalb derer die Einwohner samt ihrem Vieh Schutz vor den herannahenden Feinden suchten. 1678 war die Kirche wieder errichtet. Offenbar ist sie dann aber noch einmal zerstört worden, vielleicht im Siebenjährigen Krieg denn 1792 erfolgte ein weiterer Neubau. 1892 entschloss man sich zum Bau eines neuen Kirchturmes. Seitdem hat unsere Kirche ihr heutige Aussehen kaum noch verändert.
Der l. Weltkrieg brachte den Verlust der Kirchenglocken, die in fast allen Gemeinden zu Rüstungszwecken abgeliefert werden mussten. 1930 wurden, verbunden mit einem großen Festakt, neue Glocken auf den Turm gebracht.
Ein Jahr später bekam der Turm ein Kupferdach. Aber 1943 mussten Glocken und Kupferdach erneut abgenommen werden. Diesmal für den zweiten Weltkrieg. Aus dieser Zeit rühren auch noch einige Einschüsse im Turm her, die man heute noch sieht.
1957 schließlich bekam der Turm wieder neue Glocken, deren Geläut noch heute zu hören ist. 1963 bekam die Kirche im Inneren ihr heutiges Aussehen. Man hatte sich entschlossen, die alten, zum Teil schon morsch gewordenen, Holzeinbauten herauszunehmen. Damals wurden auch die Apostelbilder freigelegt, nachdem man Reste davon schon bei einer Innenrenovierung 1935 entdeckt hatte.
Die Geschichte eines Bauwerks steht immer auch symbolisch für die Geschichte der Menschen. Unsere Kirche erzählt eine lange Geschichte die vom Lebenswillen und der Glaubenskraft der Groß Stöckheimer zeugt. Sie ist auch ein Mahnmal für die Sehnsucht nach Frieden.


