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13.04.2026 Kategorie: Zeitfenster

"Mitten am Tag" - Andacht vom 08. April 2026

Wochenandacht aus dem Zeitfenster von Diakonin Tatjana Schiefer

„Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Hallelujah!“

Was für starke Worte. Was für eine Aussage. Unser Gott ist auferstanden. Hat den Tod besiegt.

Doch viel mehr berühren mich die Gedanken an die Akteur*innen der Ostergeschichte vor etwa 2000 Jahren. Wie müssen sich diese gefühlt haben? Sie wussten schließlich nicht, dass die Auferstehung passieren wird – für uns es ist nur ein Ritual das jedes Jahr geschieht. Wir wissen, wie die Geschichte endet. Aber vor 2000 Jahren wussten die Freund*innen und Familie von Jesus nicht, was passieren würde. Die Welt wurde für drei Tage dunkel für sie.

Judas Ischariot. Für immer als Verräter verdammt. Er erträgt es nicht seinen Freund verraten zu haben. Wir können nicht mutmaßen wieso er es getan hat - vielleicht mit dem Gedanken das Volk Israel vor der Unruhe mit den Pharisäern und den Römern zu schützen, die Jesus auslöste. Wie dem auch sei, geplagt von Schuldgefühlen erhängt er sich und erlebt die Auferstehung nicht mit. Er weiß nicht, dass er Teil von Gottes Plan war.

Maria von Magdala. Keiner weiß so genau wer sie war. Die Historiker*innen und Theolog*innen sind sich uneinig. War sie die Geliebte von Jesus? War sie Sexworkerin? Wer war diese Frau, die als einzige einen richtigen Namen und eine Geschichte hat? Sie folgt Jesus. Sie erwartet so viel. Und dann wird er vor ihren Augen gepeinigt und gekreuzigt. In ein Grab getragen, als Verbrecher. Hat sie gezweifelt? Hat sie nicht vielleicht gedacht, dass es alles sinnlos war?

Die Jünger, nicht alle waren am Kreuz, doch sie wussten was passierte. Sie wussten ihr Anführer, ihr Lehrer wurde gekreuzigt. Nicht alles, was sie erlebten, verstanden sie. Sie hatten Vertrauen in Jesus – und doch auch Unsicherheit. Sie wussten nicht, dass die Auferstehung kommen würde. Sie wussten nicht, dass der Tod Teil des Weges war. Sie zweifelten. Denn der Mann, dem sie folgten, der Sohn Gottes, war plötzlich ganz menschlich – in seiner Angst, seinem Durst, seinem Leid.

Petrus. Einer der beste Freunde Jesu. Bevor Jesus verhaftet wurde, versprach er ihm zu ihm zu stehen. Und dann, als er Angst hat selbst erkannt zu werden, da verleugnet er Jesus. Dreimal bevor der Hahn kräht, verleugnet er ihn. Wie groß muss die Scham gewesen sein? Zu wissen, dass er sein Versprechen gebrochen hat? Zu wissen, dass er seinen Freund hintergangen hat? Ihn im Stich gelassen hat?

Maria, die Mutter von Jesus. Hat sie an das kleine Baby gedacht, unschuldig, in Windeln gewickelt, in einem Stall in Bethlehem, als man ihren Sohn an das Kreuz nagelte? An kleine Finger, die sich an ihre klammerten? Ihr Sohn, ein junger Mann, ausgepeitscht und die Menge schrie nach seinem Tod. Sterbend, am Kreuz, nach ihr rufend. Eine Vorstellung, die keiner von uns im Kopf haben möchte. Sie wird nach dem Tod nicht mehr erwähnt – wo war sie? Erging es ihr wie Judas?

Sie alle wussten Karfreitag nicht, dass es eine Auferstehung geben würde. Sie wussten alle nicht, was für eine Veränderung vor ihnen war. Sie wussten nicht, dass der Tod besiegt werden würde.

Alles was ihnen blieb, war ihr Glaube, ihre Liebe, ihre Hoffnung.

Jesus war tot. Und dann, das leere Grab. Eine unglaubwürdige Vorstellung – sie haben doch seinen Leichnam gesehen. Engel sollen erschienen sein, Jesus selbst. Doch zunächst konnten sie das in ihrem Schock nicht mal erkennen.

Heute ist es ein Ostergruß, voller Freude: „Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Doch was für ein Gefühl muss es für Maria von Magdala, für die elf Jünger und für Jesus‘ Mutter gewesen sein? Ein Tag Kreuzigung und Tod, ein Tag Grabesruhe und dann soll alles anders sein? Sie dürfen glauben, dass alles was Jesus sagte, wahr ist. Dass er der Sohn Gottes ist. Was für ein Wunder, halleluja.

Auch in Angst, Verzweiflung, Schuld und Scham halten sie an ihrem Jesus fest. An ihrem Freund, ihrem Lehrer. Am Sohn Gottes.

Das Osterwunder, die Auferstehung ist die Frohe Botschaft der Bibel. Jedoch ist die Ostergeschichte eine Reflektion der menschlichen Existenz.

Glaube trotz Ungewissheit.

Vertrauen trotz Angst.

Liebe trotz Dunkelheit.

Ein Aushalten. Ein Trotzdem-Glauben. Ein Nie-wirklich-Wissen. Ein Zweifeln und eine Botschaft zugleich.

Die Ostergeschichte zeigt uns, das jetzige Zustände sich schnell ändern können. Das Wunder passieren können. Das Leid nicht das Ende ist. Der Tod nicht das Sagen hat. Das Zweifeln okay ist – das uns Gott trotz allem liebt.

Ostern ist nicht nur eine Geschichte für den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ostern ist eine Geschichte für die Menschen, für immer, wenn es dunkel scheint.

Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Gebet mitten am Tag:

Gott,

so oft fühlen wir uns wie die Jünger und Jüngerinnen an Karfreitag. Ungewissheit, Angst und Dunkelheit herrschen über die Liebe, den Glauben und die Hoffnung.

So oft ist die diese Welt dunkel und schmerzerfüllt. So oft, zweifeln wir an dem Guten.

Doch zeigst du uns immer Zeichen der Hoffnung.

Ein zerrissener Vorhang.

Ein leeres Grab.

Eine frohe Botschaft.

Wir danken dir, Gott, für deine Liebe zu uns. Für das Leben, das stärker ist als der Tod. Für die Hoffnung, die du in die Dunkelheit sprichst. Für deinen Sohn, der unsere Herzen berührt und uns zeigt, dass es sich immer lohnt zu glauben.

Amen