In vielen Krankenhäusern, übrigens auch in Wolfenbüttel, gibt es eine Palliativstation. Das Fremdwort „palliativ“ kommt vom lateinischen Wort „pallium“, übersetzt „Mantel“. Sozusagen wie ein schützender Mantel sollen alle medizinischen und therapeutischen Maßnahmen die Patientinnen und Patienten umhüllen. Es geht dabei um Menschen, bei denen die Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Darum steht eine gute Lebensqualität im Vordergrund. Körperliche und seelische Nöte sollen bestmöglich gelindert werden.
Eine Palliativstation im Krankenhaus ist keine „Sterbestation“. Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten kann nach der Behandlung wieder nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung. Oft in einem deutlich besseren Zustand als bei der Aufnahme. Wenn aber die verbleibende Lebenszeit tatsächlich nur noch kurz ist, entscheiden sich manche auch für eine Verlegung in eins der Hospizhäuser unserer Region. Dort werden Menschen dann bis zu ihrem Tod umsorgt.
Es ist ein Segen, dass seit einigen Jahren überall in Deutschland Netzwerke entstanden sind, um Menschen in der letzten Lebensphase beizustehen. Palliative Pflegedienste, Palliativstationen, Hospizvereine und Hospize sind gegründet und gebaut worden. Viele Menschen sagen: „Ich habe nicht so sehr Angst vor dem Tod. Aber ich habe Angst vor einem qualvollen Sterben.“ Die Palliativmedizin ermöglicht heute eine sehr gute Schmerzstillung auch bei schweren Erkrankungen. Das ist ein wichtiger Baustein gegen diese Angst.
Lebensqualität hat viele Dimensionen. Darum arbeiten auf einer Palliativstation viele Mitarbeitende zusammen, die unterschiedliche Ansätze verfolgen: Medizin, Bewegung, Entspannung, Pflege, Sozialberatung, psychologische Hilfe, Ernährung, Seelsorge. Es zeigt sich: Menschen brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen gute Medizin, aber ebenso auch Zuwendung, Verständnis und Trost. Immer wieder höre ich von Patientinnen und Patienten: „Ich wollte erst gar nicht auf die Palliativstation. Ich dachte, damit geben die Ärzte mich auf. Aber jetzt bedauere ich, dass ich nicht eher gewusst habe, wie gut so eine Station ist.“
„Alle sollen einander mit der Begabung dienen, die sie von Gott empfangen haben“
(1. Petrusbrief 4,10). Noch nie hat jemand mir gegenüber dieses Bibelwort im Krankenhaus erwähnt. Aber ich erlebe oft, dass es einfach gelebt wird.
Pfarrer Lennart Kruse,
Krankenhausseelsorger