Suche

Nachricht

03.08.2026 Kategorie: Zeitfenster

"Mitten am Tag" - Andacht vom 29. Juli 2026

„Du bist gut genug“ – das Lied von KITSCHKRIEG, Blumengarten und Shirin David geht seit Wochen in den sozialen Medien viral. Selbst im Ausland wird das Lied trotz des deutschen Textes gesungen. Es liegt wahrscheinlich an den wenig inhaltlich-komplexen Zeilen, den Wiederholungen und dem großen Ohrwurm-Faktor.

Der Refrain, durchgängig nur die Wiederholung von „Du bist gut genug“ in einer hohen verstellten Stimme, bleibt im Kopf. Und er kann perfekt umgedichtet werden. Ich habe Videos gesehen, wo Menschen ihre Computermäuse an den Staubroboter binden und „Arbeitszeitbetrug“ singen. Oder Trinkvideos wo der Text „du bist voll genug“ lautet. Praktisch jeder Satz, der auf die Silbe „ug“ endet, kann gesungen werden.

Ehrlich gesagt, wie die meisten Jugendtrends, geht mir das übelst auf die Nerven. Das Lied war die ersten drei Male witzig und hat danach den Reiz für mich verloren.

Was mich jedoch am meisten nervt, ist die Tatsache wie einfach die Worte in den Mund genommen werden. „Du bist gut genug.“

Heute kann man das zu keiner Person, die Instagram oder TikTok nutzt, sagen ohne dass diese Person an das Lied denkt. Und es nimmt die Ernsthaftigkeit aus den Worten. Für viele Menschen wäre es so erleichternd diesen Satz zu hören: „Du bist gut genug. Du bist gut genug, so wie du bist.“

Stattdessen ist es nur noch ein flaches Internetphänomen.

Du bist gut genug. Was für tolle Worte. Du bist gut genug. Punkt. Keine Bedingungen dahinter. Kein „Du bist gut genug, wenn … du 40 Stunden die Woche arbeitest, du nie deinen Urlaub nimmst, deine Wohnung perfekt aufgeräumt ist und deine Wäsche sich nicht auf dem Fußboden türmt während der Geschirrspüler immer sauber ein- oder ausgeräumt ist.“ Du bist gut genug. Punkt.

Ich glaube nicht mal, dass das Lied so negativ gemeint ist und die Worte lustig machen möchte. Aber die Internettrends nehmen die Ernsthaftigkeit und die Bedeutung. Niemand kann den Satz mehr hören. Und ihn zu glauben ist eh schon schwer genug.

Mir fallen sieben Stellen in der Bibel ein, wo Gott ähnliches sagt.

Nicht zu Moses als er das Volk Israel aus Ägypten führt. Nicht zu David, der Goliath schlägt. Nicht zu Rut, die sich Noomi kümmert und sie rettet. Nicht zu Johannes dem Täufer, nicht zu Paulus und nicht zu irgendjemand der eine Heldengeschichte überlebt hat.

Nein, gleich in den ersten 31 Versen der Bibel findet Gott sieben Mal etwas gut. Die Sterne und den Mond, die Ozeane und die Berge, alle Tiere im Wasser und im Himmel, alle wunderschönen Pflanzen dieser Erde. Und dich auch.

Gott schuf den Menschen. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Und siehe: Es war sehr gut. Bevor Adam und Eva namentlich genannt werden, nennt Gott die Menschen gut. Bevor ein Mensch je etwas geleistet hat, sagt Gott: „Du bist gut genug.“

Ich finde, das ist eine Botschaft, die wir uns alle immer wieder in den Kopf rufen sollten. Egal wie vollgekleistert unsere Gehirne und Emotionen sind mit negativen Gedanken, dem Gefühl mehr oder anders zu sein als man selbst ist oder den Stimmen anderer, die einen fordern. Du bist gut genug.

Du bist genug, um geliebt zu werden.

Du bist genug, um deine Bedürfnisse laut zu machen.

Du bist genug, auch wenn du Pause machst.

Du bist genug, wenn du krank bist.

Du bist genug, wenn du Fehler machst.

Du bist genug, du bist sogar gut genug, so wie du hier bist.

Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen.

Erinnert ihr euch noch an die Bundesjugendspiele? Schüler*innen sollen in Disziplinen antreten, in denen sie vielleicht gar nicht besonders gut sind. Gegen alle, die extrem krass sind. Und am Ende gehen viele traurig mit einer Teilnahmeurkunde nach Hause, während andere Bronze, Silber und Goldmedaillen vorzeigen können.

Aber so funktioniert Gott nicht. Bei Gott bekommen alle eine Teilnahmeurkunde und die Kategorien Bronze, Silber und Gold entfallen. Denn alleine deine Existenz ist wertvoll. Ohne je einen Ball weit geworfen, einen schnellen Sprint absolviert oder einen weiten Sprung geschafft zu haben, bist du gut genug.

Niemand ist mehr oder weniger wertvoll anhand von Leistung.

Du bist einfach gut genug.

Gebet mitten am Tag:

Gott,

bevor ich je etwas getan habe, bevor ich gekrabbelt bin, bevor ich gesprochen habe, bevor ich meinen eigenen Namen kannte, sagtest du zu mir: Du bist gut genug.

Bei dir, Gott, darf ich sein, wie ich bin. Ich muss nichts leisten, ich muss mich nicht verstellen. Egal welche Fehler und Probleme ich in mir sehe, du siehst mich in Liebe.

Ich danke dir, dass ich mich immer wieder an deine Worte erinnern darf und weiß: Du bist da, auch wenn ich an mir zweifle.

Amen.

 

Andacht von Tatjana Schiefer