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13.05.2026 Kategorie: Propstei

Wort zu Himmelfahrt

Himmel – mehr als nur oben

Es ist ein vertrautes Bild: Ein Blick nach oben, in den weiten blauen Himmel, vielleicht ziehen Wolken vorbei. Im Englischen gibt es für das deutsche Wort Himmel zwei Worte: sky und heaven. Der sky ist das, was wir sehen können – die Lufthülle unserer Erde, messbar, mit Sonne, Regen und Wind. Heaven dagegen meint etwas anderes: Gottes Wirklichkeit, seine Nähe, die sich nicht auf einen Ort festlegen lässt.

An Christi Himmelfahrt erzählt die Bibel von Jesus, der „aufgehoben“ wird vor den Augen seiner Jünger (vgl. Lukas-Evangelium 24 und Apostelgeschichte 1). Lukas beschreibt es wie eine Szene zwischen Abschied und Aufbruch. Doch es geht nicht darum, dass Jesus einfach in den sky verschwindet, als würde er sich in die Wolken zurückziehen. Die Geschichte will sagen: Jesus gehört ganz zu Gott – und gerade deshalb ist er uns näher, als wir denken.

Gleichzeitig ist dieser Tag bei uns auch Vatertag. Viele sind unterwegs, lachen, ziehen Bollerwagen, genießen Gemeinschaft, nicht nur Männer unter sich, sondern auch Männer und Frauen und Familien gemeinsam. Und vielleicht liegt darin eine leise Spur des heaven: wo Menschen füreinander da sind, wo Verantwortung getragen wird, wo jemand sagt: „Ich bin für dich da.“ Das hat etwas von diesem Himmel auf Erden, wenn Gottschützt, ermutigt und begleitet.

Zwei Männer in weißen Gewändern sagen den staunenden Jüngern: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Es ist, als würden sie freundlich daran erinnern: Schaut nicht nur nach oben. Der heaven, von dem hier die Rede ist, beginnt nicht erst über den Wolken. Er hat schon Spuren auf der Erde.

Vielleicht kennen Sie solche Momente: Ein Tisch, an dem Menschen zusammenkommen, die sich sonst fremd wären. Ein Gespräch, das trägt. Eine Hand, die hält. Kleine Szenen, unscheinbar – und doch wie ein Fenster in Gottes Wirklichkeit. Ein Stück Himmel auf Erden.

Himmelfahrt lädt ein, den Blick zu weiten. Nicht nur nach oben, sondern mitten ins Leben hinein. Der Himmel Gottes ist kein ferner Ort, sondern eine Beziehung, die trägt – und die wir einander weitergeben können.

Das feiern wir in den vielen Gottesdiensten zu Himmelfahrt, oft an der frischen Luft, hoffentlich bei gutem Wetter.