Andacht vom 25. Februar 2026 - "Weite"
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ heißt es in Psalm 31,9. Ein sehr bildlicher Bibelvers und doch finde ich es schwer mir vorzustellen, was die Bedeutung dahinter ist.
Meine Füße auf weiten Raum stellen? Das klingt ein bisschen wie ein Spagat. Soll ich mich in alle Richtungen strecken und reißen? Mich weiter zwingen, auch wenn mein Körper „nein“ schreit? Das ist immer das Bild was mir in den Kopf steigt – zu viel Welt und zu wenig Zeit für mich.
Das Leben ist nicht immer einfach. Manchmal fühlt es sich an, man renne man gegen eine Wand. Man tut Dinge, die sich nicht gut anfühlen. Traut sich Dinge nicht und bereut es am Ende. So viele Momente in denen sich die Brust zusammenzieht und man die Enge in sich selbst spürt. Keine weiten Räume in Sicht.
Ganz passend ist eins meiner Lieblingskirchenlieder „Weite Räume meinen Füßen“ von der Gruppe Habakuk. Hier heißt es in der ersten Strophe: „Weite Räume meinen Füßen, Horizonte tun sich auf. Zwischen Wagemut und Ängsten nimmt das Leben seinen Lauf.“
Gerade das ist der Knackpunkt. Zwischen Wagemut und Ängsten nimmt das Leben seinen Lauf. Nur durch Wagnisse kann man wirklich leben. Das Leben ist kein Ponyhof wie es so schön heißt. Nicht alles läuft immer rund.
Und es gibt so viele Bibelgeschichten, in denen es für die Menschen nicht so rund läuft und sie das Gefühl haben, dass die Welt zu groß für sie ist. Sie alle kennen die Geschichte von dem Propheten Jona und dem Wal. So heißt es im Buch Jona Kapitel 1, 1-3: Es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem Herrn nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom Herrn.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Angst Jona empfunden haben muss, um so panisch zu fliehen. Und ich kann es nachvollziehen. Wer redet schon gerne vor einer ganzen Stadt und sagt ihnen, dass das was sie tun wäre falsch?
Jona brauchte viel Mut auf seiner Reise. Er ließ sich von seinen Mitreisenden über Bord werfen um den Sturm zu stillen, wurde von einem Wal gefressen und betete drei Tage und Nächte um freigelassen zu werden und zu guter Letzt musste er immer noch eine Rede halten.
Überall auf seinem Weg in die weite Welt versteckten sich Hindernisse. Hürden. Und doch – er schafft es. Mit Mut und Gott, der seine Füße auf weiten Raum stellt erfüllt er seine Mission und die Stadt Ninive bekehrt sich.
Ich finde, diese Geschichte ist ein gutes Beispiel für wenn das Leben sich mal schwierig anfühlt. Wenn es sich anfühlt, als ob alles sich gegen einen stellt und alles zu groß und schwierig ist.
Denn wie Jona sind wir nicht alleine. Gott schenkt uns etwas, damit wir das Leben wirklich leben können. Weite Räume unter unseren Füßen – und in unseren Herzen. Denn weite Räume sind viel mehr als unmögliche Weiten. Sondern: Luft zum Atmen. Erlebnisse, Erfahrungen. Abenteuer. Sich etwas Neues trauen. Die engen Räume um mich herum verlassen. Schritte wagen im Vertrauen, dass Gott mich trägt.
Für mich bedeutet „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ Mut. Dass ich Dinge wagen kann, denn Gottes schützende Hand ist größer als meine Furcht. Ich muss mich nicht im Altvertrauten verstecken, denn ich weiß, Gottes Liebe gibt mir Weite. Stellt meine Füße auf weiten Raum.
Was gibt dir Mut auf neuen Wegen?
Gebet mitten am Tag:
Gott,
weite Räume meinen Füßen. Deine Anfragen an mein Leben sind nicht immer einfach. Manchmal fühlt sich die Welt zu groß an und wir beginnen an uns zu zweifeln.
Wir wissen jedoch, Du traust uns mehr zu, als wir uns selbst zutrauen. Du weißt auch, dass unser Leben erst zwischen Wagemut und Ängsten beginnt.
Wenn unsere Wege in die Weite gehen, bist du für uns da und gibt uns sicheren Raum, uns auszuprobieren. Du bist bei uns und wir danken dir dafür.
Amen