Andacht vom 28. Januar 2026 - "Seufzen"
Ich habe Ihnen und euch für heute einen kleinen Auszug aus einem Kinderbuch mitgebracht, geschrieben von Mark-Uwe Kling und Jan Cronauer. Das Buch heißt: „Neon & Bor: Erfinderkinder.“ In dem Kapitel „Die Hutze“ streiten sich Neon, die ältere Schwester, und Bor, das Baby, darüber, ob sie lieber einen Hund oder eine Katze haben sollten. Dabei greifen sie auf altbewährte Methoden zurück: Wer lauter schreien kann. Sie versuchen es immer und immer wieder – sehr zum Unwohl ihrer Eltern – die nur noch mit Seufzern reagieren als alles chaotischer und lauter wird. Neon und Bor fragen sich, ob dieses Seufzen vielleicht eine Erwachsenenkrankheit sein könnte und ob Mama und Papa mal damit zum Arzt gehen sollten.
Meine Kollegin erzählte mir von dieser Geschichte, als ich im Büro saß und auch seufzte. Es scheint vielleicht wirklich eine Erwachsenenkrankheit zu sein, dieses Seufzen. Zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern, es als Kind so oft getan zu haben.
Laut Wikipedia ist „das Seufzen (…) eine nonverbale bzw. parasprachliche Lautäußerung, die unangenehme Gemütsregungen wie Kummer, Schmerz, Enttäuschung, Wehmut, Sehnsucht oder Resignation zum Ausdruck bringt.“
Kurz gesagt, ist es ein Ausdruck von etwas Negativen.
Doch seit wann bin ich eigentlich so pessimistisch? Warum löst jede kleine Unannehmlichkeit dieses Seufzen aus? Ihr kennt das sicherlich auch: Man lässt etwas fallen. Seufzen. Man hat etwas vergessen. Seufzen. Die Technik will schon wieder nicht so wie man selbst. Seufzen.
Dauernd macht man das – oft auch unterbewusst.
Angeblich seufzten Menschen etwa alle fünf Minuten. Das sind rund 12 Seufzer pro Stunde und wenn man acht Stunden schläft – also 16 Stunden wach ist – sind das fast 200 Seufzer an einem Tag.
Es heißt aber auch, Seufzen sei gesund – es reguliert das Nervensystem und das Atmen.
Warum wird es dann immer so negativ angesehen? Es ist doch nur eine Reaktion auf etwas, damit wir uns besser fühlen.
Und vielleicht liegt es ja auch daran. Auch in der Bibel wird das Seufzen immer wieder thematisiert. In Psalm 38,10 heißt es: Gott, du kennst meine Sehnsucht, du hörst mein Seufzen!
Also Gott hört uns zu. Über 200-mal am Tag, nur dieses eine kleine Geräusch. Und ich stelle mir das eigentlich ziemlich toll vor! Jedes Mal, wenn ich seufze, ist Gott da, hört mich genau an dem Punkt, wo etwas doof ist. Und vielleicht ist das eine kleine Mini-Umarmung von Gott, die wir jedes Mal wieder neu erfahren, wenn wir seufzen. Eine natürliche Regulation des Körpers und ein Gefühl von Gott ist da.
Und vielleicht sollten wir genau deshalb auch öfter mal seufzen, denn Gott ist bekanntlich genau da, wo wir uns nicht gut fühlen und eine kleine Aufmunterung brauchen.
Gebet mitten am Tag:
Gott,
du kennst meine Sehnsucht, du hörst mein Seufzen.
Du bist da, wenn ich dich brauche, du hörst was ich sage. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann hörst du genau hin und bist da für mich, auch wenn ich es nicht merke.
Lass mich deine Präsenz spüren, wenn mich etwas nervt. Wenn ich mich ärgere. Wenn ich seufze, erinnere mich daran, dass du bei mir bist.
Danke, dass du mir immer zuhörst.
Amen.