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Andacht vom 01. April 2026 - "Furcht und Große Freude"

Eine letzte Passionsandacht, an diesem Mittwoch vor Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern.

Ein Emotionswirrwarr wie wir es kaum beschreiben können. So viele verschiedene Sachen passieren innerhalb von so kurzer Zeit.

Ein letztes Abendmahl mit Freunden. Ein verzweifeltes Gebet alleine im Garten Gethsemane. Ein Kuss des Verrats. Menschenmassen, die zur Kreuzigung rufen. Schmerzen, Verzweiflung, Verstehen. Tod und Verabschiedung. Warten. Und dann, ein Wiedersehen, ein Wunder.

Blicken wir in die heutige Welt, findet auch regelmäßig ein rapider Emotionswechsel statt. Nachrichten möchte man kaum noch lesen. Krieg, Tod, Leid, Verwüstung.

Und doch geht das normale Leben weiter. Wir lachen trotzdem, haben Spaß, teilen Momente der Freude.

Manchmal taucht da in mir die Scham auf. Bin ich zu egoistisch? Apathisch? Wie kann ich lachen, wenn es so viel Leid gibt? Darf ich mich in einer leiderfüllten Welt überhaupt freuen?

Und wenn ich es ganz zuspitze: Übermorgen ist Karfreitag, ein Tag an dem Feiern gesetzlich verboten ist, um der Kreuzigung Jesus zu gedenken. Ein Tag der Trauer kommt auf uns zu und doch frage ich mich, ob es nicht noch mehr solche Tage geben müsste. Denn wenn wir die Geschichte vom Weltgericht im Matthäusevangelium lesen, heißt es in Mt 25, 40: Der König wird ihnen dann antworten: ›Das will ich euch sagen: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!‹

Also: Gott ist in jedem hungernden Kind, jedem sterbenden Zivilisten, in jedem weinenden Soldaten. Müsste nicht jeder Tag ein Trauertag sein? Müsste ich nicht jeden Tag trauern?

Doch bei Emotionen ergibt nicht 1 und 1 gleich 2. Sie sind nicht rational – das ist gerade das Schöne an ihnen. Es bedeutet aber auch, dass 3 mal 4 zwanzig sein kann. Oder 365 mal 1 auch zehntausend. Konkret: Beschäftigen wir uns 365 Tage lang nur mit traurigen Dingen, wird unser Herz krank und müde, und nicht nur auf dem Level 365 sondern deutlich mehr. Denn Emotionen steigern sich, umso mehr Raum wir ihnen geben. Wir brauchen also Momente, die unser Herz stärken und mit Gutem erfüllen.

Jedes Jahr werden uns 525600 Minuten geschenkt für alle Emotionen. Glück und Lachen soll genauso passieren wie Trauer und Entsetzen. Gott hat uns die Fähigkeit zur Freude geschenkt und so sollten wir sie auch nutzen.

Ohne Freude ist das Leben nur trist und grau. Welche Qualität hat es zu leben, wenn man sich nur mit den negativen Dingen beschäftigt? Wenn jede kleine Freude überschattet wird von negativen Gedanken?

Ich möchte an dieser Stelle klarstellen: Ich meine nicht, ignoriert die Weltlage und lauft mit einer rosa-roten Brille durchs Leben. Denn das ist es auch nicht. So hieß es doch schon vor ein paar Wochen zum Thema „Mitgefühl“: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden“ (Röm 12, 15). Emotionen dürfen gleichzeitig existieren und auch abwechseln. Es heißt hier doch genau das: Beide emotionalen Extreme dürfen Platz in unserem Herzen haben.

Gott hat uns eine wunderbare Welt geschaffen. Eine Welt voller Wunder. Und manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die zur großen Freude führen können.

Vogelgezwitscher als Ankündigung für den Frühling.

Der Geruch von Regen, der an einen Kindheits-Urlaub erinnert.

Ein schönes Lied im Radio.

Lichter, die eine dunkle Stadt erleuchten lassen.

Die Sonne, die die Wolkendecke durchbricht.

Ich möchte dich ermutigen, die Augen zu schließen und an eine schöne Erinnerung zurückzudenken. Etwas, bei dem dein Herz sich freut und sich vielleicht automatisch ein Lächeln auf deine Lippen zaubert.

Stell es dir konkret vor. Woran denkst du? Was fühlst du? Wo fühlst du es? Hörst du etwas? Hat die Erinnerung einen Geschmack?

Halt diesen Moment fest in deinen Gedanken. Lass deinen Moment nicht los. In Zeiten der Furcht und der Unsicherheit – erinnere dich dran. Denn auch in schweren Zeiten gibt es immer ein kleines Licht. Einen kleinen Hoffnungsschimmer, etwas was einen daran erinnert, dass nicht alles schlecht ist. Lass diesen kleinen Moment sich in deinem Herzen verankern, dass du auch in großer Furcht große Freude fühlen kannst.

Gebet mitten am Tag:

Gott,
die Welt ist geprägt von Zerrissenheit und Verzweiflung. Viele Menschen fürchten sich vor der Zukunft – was die Veränderungen der Welt mit sich bringen.
Schenke uns in all dem Mut, hinzusehen, und die Kraft, nicht zu verzweifeln.
Sei bei uns, wenn wir Angst haben und Kraft brauchen. Schenke uns Freude, auch in schwere Zeiten.

Lass Hoffnung in uns wachsen – leise, aber beständig, wie ein Licht in der Dunkelheit, ein schönes Lied, Vogelgezwitscher zum Frühlingsanfang.
Begleite uns auf unserem Weg durch Furcht und Freude, heute und an allen Tagen.

Und alle Worte, die wir nicht aussprechen können legen wir in das Gebet das uns Jesus Christus gelehrt hat.
Amen