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Andacht vom 24. Juni 2026 - "Gemeinsam gegen einsam"

Es ist leicht alleine zu sein.

Keine Erwartungen. Kein Druck. Keine sozialen Regeln. Niemand, der oder die enttäuscht werden kann. Niemand, der oder die etwas von mir möchte. Privatsphäre. Eigene Entscheidungen.

Ich muss zugeben, ich bin gerne alleine. Es gibt mir die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. Wenn ich selbst wähle, ob ich mich mit Menschen umgeben oder nicht, dann kann mir die Zeit alleine Frieden geben, sich gut anfühlen.

Aber was ich nicht gerne bin, ist einsam. Einsamkeit hat nichts mit der Menge an Menschen zu tun, von denen man umgeben ist. Das persönliche Bedürfnis nach Gemeinschaft trifft auf gähnende Leere. Jeder Mensch möchte gesehen und verstanden werden, doch wenn niemand da ist, der einen versteht, dann fühlt man sich einsam.

Egal wie viele Menschen um uns herum sind, kann man einsam sein. Der Raum kann voller Menschen sein, doch das Herz fühlt sich allein. Tägliche Gespräche finden statt, doch das Herz schreit voller Leere.

Ich möchte behaupten, dass jeder und jede von uns sich schonmal einsam gefühlt hat. Wir alle wissen wie schmerzlich dieses Gefühl ist und wie schwer es ist, sich von diesem Gefühl zu lösen.

Als ich für diese Andacht recherchiert habe, wurde mir immer wieder Verse vorgeschlagen die sich auf folgende Aussage reduzieren lassen: „Gott kümmert sich um die Einsamen.“

Es ist, keine Frage, ein sehr tröstender Satz, den man jemandem auf dem Weg mitgeben kann. Aber wirklich helfen tut diese Plattitüde nicht, wenn man sich wirklich einsam fühlt. Wenn sich alles einsam anfühlt, man den ganzen Tag nur mit den Gedanken alleine ist, ist es schwer zu ertragen zu hören, dass Gott sich um die Einsamen kümmert.

Wo ist denn Gott, wenn ich einsam bin? Ich kann mit Gott nicht reden, Gott sitzt nicht neben mir auf dem Sofa und schon gar nicht kann Gott mich in den Arm nehmen.

Es hilft bei Einsamkeit wenig zu sagen: „Gott ist bei dir!“ so lieb es auch gemeint ist. Einsamkeit klammert sich an das Herz und lässt sich nicht einfach durch einen Bibelvers weg argumentieren. Ich glaube, das ist genau das, was Glauben für viele Menschen heutzutage schwer macht.

Es ist einfach an Gott zu glauben, wenn man sich gut fühlt und alles hat was man zum Leben braucht. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen, heißt es im Matthäusevangelium.

Aber wenn ich alleine bin? Wo ist Gott, wenn es keine zweite und dritte Person gibt? Da fällt es schwer an eine gute Macht zu glauben. Wenn negative Emotionen überwiegen, dann helfen Sätze nicht mehr sondern Taten.

Ich denke, ehrlich gesagt, dass die Aussage „Gott kümmert sich um die Einsamen“ sich sehr schnell falsch interpretieren lässt. Ein Warten auf ein göttliches Zeichen gegen Einsamkeit führt nur zu Leere.  

Und vielleicht liegt darin auch eine Herausforderung für uns. Wenn wir glauben, dass Gott sich um die Einsamen kümmert, dann können wir diesen Satz nicht einfach stehen lassen. Dann müssen wir uns fragen, wie Gott das tut. Vielleicht durch uns.

Wo zwei oder drei – das ist der Knackpunkt. Gott lässt uns nicht einsam sein. Gott schickt andere Menschen als Anker, als Halt gegen Einsamkeit. Gott begegnet Menschen in menschlicher Nähe.

Eine Umarmung. Ein Telefonat. Ein Brief. Einfach mal fragen, wie es jemandem geht und nicht nur ein „gut“ zu erwarten.

Gott kümmert sich nicht nur durch Stimmen im Himmel und durch Wunder um die Menschen. Schon immer hat Gott durch Menschen gewirkt. Gott kann durch uns wirken, durch jeden Menschen. Mit unserem Handeln können wir Menschen berühren. Können wir erste Schritte gegen unsere eigene Einsamkeit und die von anderen tun. Vielleicht nur für einen Moment. Heilen können wir Einsamkeit nicht. Aber wir können ein Pflaster auf einer Wunde sein. Bei uns oder bei jemand anderem.

Denn wer weiß denn schon, ob der Gedanke sich um jemand anderen zu kümmern von uns oder von Gott kam?

Gebet mitten am Tag:

Gott,

du bist immer für uns da. Manchmal ist es schwer dich zu fühlen und der Glaube, dass du wirklich da bist zerbröckelt. Einsamkeit und Alleinsein belasten uns und wir fühlen uns missverstanden.

Öffne unsere Herzen für andere. Lass uns aufmerksam werden für Menschen, die sich einsam fühlen. Zeige uns, wo ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, ein Anruf oder eine Umarmung Hoffnung schenken können.

Schenke uns Kraft und Zuversicht, wenn wir uns alleine fühlen und erinnere uns daran, dass du immer da bist.

Amen

 

Andacht von Tatjana Schiefer