Andacht vom 15. Juli 2026 - "Kraftquelle"
Sommer. Wärme. – Wenn auch zum Glück nicht die 36°C der vorletzten Woche. Sonne. So schön kann das Leben sein.
Ich bin ein großer Fan vom Sommer. Diese Jahreszeit gibt mir Energie und Freude. Allein der blaue Himmel gibt schon Kraft um morgens aufzustehen. Das Wissen, dass die warme Decke morgens nicht in eisiger Kälte abgeschüttelt wird. Helligkeit, sodass Müdigkeit weniger stark ist und die Munterkeit gewinnt.
Der Sommer ist eine Kraftquelle für mich. Und es ist unheimlich wichtig diese Kraftquellen sich immer und immer wieder bewusst zu machen. Was gibt mir Kraft? Was tut mir gut? Was macht mir Spaß?
Für jeden von uns sind das andere Dinge. Für mich persönlich der Sommer. Kreativ sein. Musik hören. Konzerte. Kleinigkeiten, die das Leben schöner machen.
Schon in der Bibel war den Menschen bewusst, dass Musik etwas ganz Besonderes ist. Psalme wurden ursprünglich gesungen. Und auch heute wird an hohen Festtagen die Liturgie gesungen, nicht gesprochen. Melodie und Text geben uns etwas, was Worte allein oft nicht können: Emotion, Verbundenheit und Erinnerung
Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne K-Pop höre – Musik aus Südkorea. Nicht immer verstehe ich die Texte, ich kann schließlich kein Koreanisch. Aber viele englische Texte packen mich und berühren mich.
Ich habe euch eins meiner Lieblingslieder von der Band „The Rose“ mitgebracht. „Utopia“ heißt dieses Lied, „Utopie“ auf Deutsch. Ich habe den Text für euch mal übersetzt.
Willkommen im Paradies, öffne deine Augen
Wir erheben unsere Stimmen
In die Höhe, wir singen
In die Höhe, unsere Utopie
Sieben Billionen auf diesem Planeten
Aber niemand scheint zu wissen,
dass es einen Ort wo wir hingehen sollen
Und wir sind näher dran als wir es wissen
Wo jedes gebrochene Herz leuchtet, kannst du meine Hand halten
Wir sind eine Strömung
Willkommen im Paradies, öffne deine Augen
Wir erheben unsere Stimmen
In die Höhe, wir singen
In die Höhe, unsere Utopie
Das Leben ist so mysteriös, ich bin neugierig
Wir können unsere Hände hoch strecken
In die Höhe, wir singen
In die Höhe, unsere Utopie
어둠속에 번진 별
아직 희미하지만
이미 피어난 장미
누구보다 빛날 별
Wo jede blühende Rose scheint, kannst du meine Hand halten
Wir sind eine Strömung
Willkommen zuhause, du brauchst nicht weinen,
schließe nur deine Augen
Lass die Stille dich halten und
Lass los, wir atmen langsam,
lass los, unsere Utopie
Dieses Lied gibt mir persönlich Kraft. Die Melodie, die bekannten Stimmen einer Band die ich gerne höre. Erinnerungen an schöne Momente. Die Versprechen im Text noch etwas Neuem, etwas anderem. Es erinnert mich daran, dass es mehr gibt als nur das was ich sehen und fühlen kann. Das Lied lädt ein sich Gedanken zu machen, was denn die eigene Utopie ist. Eine Utopie ist schließlich eine fiktive ideale Welt, die auf das Äußerste positiv ist.
Ich finde, genau das kann Kraft schenken. Musik, die berührt und mich an das Gute in der Welt erinnert. Utopia ist zwar kein Psalm, für mich greift es Gedanken auf, die auch in vielen Lob- und Vertrauenspsalmen vorkommen: die Sehnsucht nach einem Paradies. Nach einem Ort, an dem jede und jeder willkommen ist. Nach Gemeinschaft und Zusammenhalt. Nach einer Erinnerung daran, wie lebenswert das Leben ist. Nach Neugier auf alles, was noch kommen mag. Nach einem Ort, zu dem ich zurückkehren kann, wenn die Traurigkeit überwiegt. Nach einer Stille, die alles aushält.
Ich habe euch nun für einige Zeit mit hineingenommen in meine Kraftquelle.
Doch was gibt dir Kraft? Was stärkt dich in deinem Alltag?
Welche Kraftquelle begleitet dich durchgängig? Nimm dir die Zeit, hör dir die Musik meiner Kraftquelle an, während du dir überlegst, was deine Kraftquellen sind oder sein können.
Utopia – The Rose
Hast du einen Moment im Kopf? Eine Melodie? Eine Erinnerung? Ein Versprechen?
Auch David kannte solche Kraftquellen und schrieb sie in seinen Psalmen nieder, sodass die Menschen Zuspruch erfahren können, in guten als auch in schweren Zeiten. Sie verschweigen Schwierigkeiten und dunkle Zeiten nicht, erinnern aber immer wieder an das Schöne im Leben und an die Stärke, die uns Glauben geben kann.
Und auch wenn der Sommer endet, das Konzert vorbei ist, dann bleibt diese Musik, die mir Halt gibt und mir schöne Erinnerungen in Gedanken ruft. Und vielleicht ist es auch genauso mit Gott. Nicht alle Momente strahlen und nicht jeder Tag fühlt sich hell und stark an. Aber Gottes Zusage bleibt. Wir dürfen uns immer wieder daran erinnern: Gott geht mit uns – auch durch die dunklen Täler unseres Lebens.
Lasst uns gemeinsam Psalm 23, einen Psalm Davids, beten.
Du beschützt mich,
mir wird nichts mangeln.
Du weidest mich auf einer grünen Aue
und führest mich zum frischen Wasser.
Du erquickest meine Seele.
Du führst mich auf rechter Straße
um deines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
in deinem Hause immerdar
Amen
Gebet mitten am Tag:
Gott,
immer wieder suchen wir nach Dingen, die uns Kraft geben. Momente, Erinnerungen, Musik, Bilder, Worte, Gefühle, Menschen. Wir wissen, in schwachen Zeiten können wir auf Dich vertrauen, dein Stecken und Stab trösten uns.
Gib uns Mut neue Kraftquellen zu entdecken und berühre unser Herz in den Momenten, in denen wir deine Nähe am Meisten brauchen. Dank dir müssen wir keine Angst haben, auch nicht in dunklen Tälern.
Amen.
Andacht von Tatjana Schiefer