Andacht vom 29. April 2026 - "Momente mit Gott"
Vor ein paar Wochen durfte ich bei der Einsegnung meines besten Freundes in den Dienst des Diakons assistieren – ihm also den Segen für seinen zukünftigen Berufsweg zusprechen.
Und nun stand ich da vorne in der Kirche, vor den Augen der Gemeinde. Vorher sagte ich noch, ich wäre gar nicht nervös – war ich auch nicht. Gottesdienst? Das ist schon längst Alltagsgeschäft geworden und ich habe auch schon eingesegnet. Warum also die Nervosität?
Es war nicht irgendein Tag. Sondern ein besonderer Tag für meinen besten Freund – ich wollte, dass es für ihn als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleibt. Keine Fehler, kein Fehltritt, kein Versprecher.
Doch plötzlich, vorne am Altar, war ich doch am Zittern. Total im Moment – und gleichzeitig völlig angespannt. Dazu noch erkältet und unsicher, ob meine Stimme überhaupt mitmacht.
Und dann, Hand auflegen, bloß nicht in Menschenmenge gucken, Segen vernünftig ablesen. Fertig. Alles vorbei. Geschafft! Die Aufgabe erfüllt. Alles super gelaufen, oder?
Dachte ich zumindest.
Bis mein bester Freund nach dem Gottesdienst zu mir sagte: „Du, Tatjana, eine Einsegnung ist ja schon ein ganz besonderer Moment.“
Ich war schon dabei einfach zuzustimmen, darauf hinzuweisen, dass noch Fotos gemacht werden sollten, aber er redete weiter. „Ich konnte echt spüren, dass Gott da war.“
Ich musste für einen Moment schlucken.
Ich war so abgelenkt gewesen von dem „Was könnten die Menschen denken?“, dass ich gar nichts anderes als den Druck, die Angst mich zu blamieren oder irgendwas zu ruinieren, spüren konnte. Für Gott war da gar kein Platz.
Seitdem lässt mich der Gedanke nicht mehr los: „Wie oft vergesse ich eigentlich im Alltag Gott zu spüren? Wie sehr lenkt mich das Weltliche eigentlich von meinem Glauben ab?“
Manchmal ist Gottes Präsenz so mächtig, dass wir gar nicht anders können als sie zu spüren – wie auch mein bester Freund Gott gefühlt hat. Aber ganz oft ist Gottes Präsenz nur eine kleine Flamme in unserem Herzen, ein flüchtiger Moment, bevor sie wieder weg ist.
Gott schenkt uns Liebe, Zugewandtheit, Verständnis, Hoffnung und Mut. Aber wie oft vergessen wir das zu spüren?
Ich glaube, wir sollten uns im alltäglichen Leben viel mehr Zeit für Gott nehmen. In vielen Momenten vergessen wir, wer immer für uns da ist.
In meiner eigenen Konfi-Zeit, von der ich letztens feststellte, dass sie nun auch über 10 Jahre her ist, haben wir oft das Lied „So bist nur du“ gesungen. Auch wenn ich heute einige kritische Anfragen an das Lied habe, ist ein Satz ist besonders an mir hängen geblieben: „Und steht uns Gott zur Seite, was kann uns jemals hindern?“
Genau diese Frage gibt Kraft. Angelehnt an Röm 8,31 ist dies ein Zeichen der Stärke, was wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten und dürfen: „Wenn Gott für mich ist, wer kann dann gegen mich sein?“
Wenn Gott für mich ist, warum interessiert mich eigentlich, was andere Menschen über mich denken?
Klar, wäre es unangenehm gewesen mich im Gottesdienst zu verhaspeln. Aber ich muss diesen Menschen nichts beweisen. Denn ich habe Gott an meiner Seite und allein das reicht doch.
Gott sieht unsere Herzen, alles was tief in uns ist. All das Gute, verschüttet unter den Fehlern, die wir machen und die – oft auch nur wir selbst - sehen. Und wie gut tut es, uns dies immer wieder bewusst zu machen?
Ich möchte euch ermutigen, euch Zeit zu nehmen. Euch auch mal im Alltag daran zu erinnern, dass es Momente gibt, in denen wir Gott spüren können. Es ist nicht immer nur ein brennender Dornenbusch oder ein Vorhang im Tempel, der zerreißt.
Es kann auch ein schönes Segenswort sein. Eine blühende Blume. Ein Sonnenstrahl durch Wolken. Eine leckere Tafel Schokolade und ein Kaffee zum richtigen Zeitpunkt.
Gott steht uns zur Seite – nichts kann uns von Gott trennen. Schon gar nicht die Meinungen oder Gedanken von anderen Menschen.
Gebet mitten am Tag:
Gott,
du bist da – auch wenn wir dich nicht immer spüren.
Du siehst unsere Herzen, all das Gute in uns, auch wenn wir nur das Schlechte sehen.
Mit dir an unserer Seite, brauchen wir nichts fürchten und dafür sind wir dankbar. Du stehst höher als alles Menschliche, als die Angst, die uns so oft überrumpelt.
Öffne unsere Herzen, für die kleinen Zeichen im Leben, dass wir dich spüren können, auch im alltäglichen Chaos. Heute und jeden Tag bis an das Ende der Zeit.
Amen
Andacht von Tatjana Schiefer