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Andacht vom 18. März 2026 - "Nachfragen"

Ich kenne das Lied „Der, die, das“ noch aus meiner Kindheit, ihr vielleicht auch. Die Sesamstraße. Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Das Wochenthema der Fastenzeit lautet: Nachfragen! Viel passender als dieses Lied geht es ja fast gar nicht.

Blicken wir kurz zurück auf die Geschichte von Adam und Eva im Paradies. Sie aßen vom Baum der Erkenntnis und waren sich plötzlich vieler Dinge neu bewusst. Wissen wird im Paradies als das höchste Gut gesehen. Denn auch wenn das Essen vom Baum zum Sündenfall führte, so gab es den Menschen Intelligenz und Freiheit. Werte, die wir heute als gut ansehen würden.

Heute scheint es fast so, als dürfte man gar nicht mehr unwissend sein. Man soll über Sport und Literatur, Politik und Wirtschaft, Mathe und Germanistik, Anglistik und Geografie und noch viel mehr informiert sein.

Es gibt niemand gerne zu, dass er oder sie etwas nicht weiß. Gerade in der heutigen Gesellschaft, wo der Fokus auf gymnasialen Schulabschlüssen, Abitur und Studium liegt, ist es geradezu verpönt Unwissen zuzugeben.

Und das – finde ich – spiegelt sich auch in Konversationen und Streit wider.

Ich möchte behaupten, dass fast jeder Streit aus einem Missverständnis kommt. Weil man sich nicht in die andere Person hineinfühlt und nicht deren Perspektive erfragt und akzeptiert. Weil es einfacher ist, die andere Person als böswillig einzustufen und damit abzuschließen, anstatt sich dem Unwissen auszusetzen. Doch kann ein „Ich habe nicht verstanden, was du meinst“ so viel auslösen.

Jesus ist bekannt für seine Streitgespräche mit Pharisäern und Schriftgelehrten. Und viele waren nicht willig zuzuhören, was Jesus sagte. Haben ihn von vorneherein als Lügner abgetan.

Doch etwas anderes passiert im Lukasevangelium 10,25-29:

Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Ob der Gesetzeslehrer nun Jesus herausfordern wollte oder nur eine Frage stellt, ist in diesem Kontext deutlich weniger wichtig, als die Tatsache, dass er einfach fragt. Jesus erzählt ihm und den Menschen, die zuhören, das Gleichnis des Barmherzigen Samariters. Ihr kennt sicherlich alle die Geschichte – der Mann, der auf dem Weg nach Jericho ausgeraubt wurde und dann von allen ignoriert wurde, bis ein fremder Samariter ihm half.

Der Gesetzeslehrer versteht natürlich, worauf Jesus hinaus möchte. Der Samariter war der Nächste des Mannes und so soll man handeln. In der Nächstenliebe offenbart sich der Kern des Christentums.

Stellt Euch nun vor, der Gesetzeslehrer hätte die Frage nicht gestellt. Hätte nicht nachgefragt.

Dann hätte Jesus vielleicht nie dieses Gleichnis erzählt – dieses Gleichnis was ich behaupten möchte, das Bekannteste ist. Uns allen einen Richtwert im Leben gibt und uns den Kern unseres Glaubens und Gottes Liebe zu uns zeigt.

Also: Es lohnt sich wohl doch, Unwissen zuzugeben. Nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht. Gerade so lernen wir neue Dinge, wichtige Dinge, für unser Leben. Erweitern unseren Horizont.

Seid mutig:

1000 tolle Sachen
Die gibt es überall zu sehen
Manchmal muss man fragen
Um sie zu verstehen

Welche Frage würde ich gerne Gott stellen?

Gebet mitten am Tag:

Gott, eine andere Sichtweise zu akzeptieren, ist manchmal das Schwerste, was es gibt. Es gibt auch so viele Dinge, die wir Menschen nicht wissen. Und doch lohnt es sich, nachzufragen.

Es braucht Mut und Stärke, schwierige oder unangenehme Fragen zu stellen – und doch ist es manchmal nötig. Sei bei uns, wenn wir uns unsicher sind und Dinge hinterfragen.

Schenke uns den Mut zu fragen,
die Geduld zuzuhören
und die Offenheit, voneinander zu lernen.

Hilf uns, einander besser zu verstehen
und in unseren Gesprächen respektvoll und liebevoll zu bleiben.

Begleite uns in dieser Woche
und öffne unsere Herzen für unsere Mitmenschen.

Amen